Neuigkeiten

Mehr Beschäftigung, aber wachsende Herausforderungen

| Der Arbeitsmarkt 2025 / 2026 in der StädteRegion Aachen

Gemeinsame Pressemitteilung der Agentur für Arbeit Aachen-Düren und der Jobcenter der Städteregion Aachen und des Kreises Heinsberg zur Jahresbilanz des Arbeitsmarktes 2025 im Agenturbezirk Aachen-Düren:

 

Jahresbilanz zeigt strukturelle Veränderungen bei Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und Stellenmarkt

 

Die Jahresbilanz 2025 zeigt einen Arbeitsmarkt ohne extreme Ausschläge, zugleich aber mit tiefgreifenden strukturellen Veränderungen. Während die Zahl der Erwerbstätigen weiter leicht zunimmt, ist die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt gestiegen. Auch der Stellenmarkt bleibt angespannt.

 

Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt gestiegen 

 

Im Jahresdurchschnitt 2025 waren im Agenturbezirk Aachen-Düren 44.674 Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind 2.135 Personen beziehungsweise 5,0 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Anstieg zeigt sich sowohl in der Arbeitslosenversicherung (Sozialgesetzbuch – Drittes Buch - SGB III) als auch in der Grundsicherung (Sozialgesetzbuch – Zweites Buch - SGB II). Regional nahm die Arbeitslosigkeit in allen Teilregionen zu: In der Städteregion Aachen um 5,4 Prozent auf 24.645 Personen, im Kreis Düren um 4,6 Prozent auf 11.324 Personen und im Kreis Heinsberg um 4,7 Prozent auf 8.705 Personen.

 

Warum Arbeitslosigkeit nicht gleich Arbeitslosigkeit ist

 

Wie auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in einer Analyse zum Thema „Arbeits- und Fachkräftemangel trotz Arbeitslosigkeit“ feststellt, unterscheidet sich die Zusammensetzung der Arbeitslosigkeit deutlich zwischen den beiden Rechtskreisen. Während Arbeitslose im Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III) häufig vergleichsweise schnell wieder in Beschäftigung einmünden, ist die Arbeitslosigkeit in der Grundsicherung (SGB II) stärker von strukturellen Hemmnissen geprägt. Der Bericht weist darauf hin, dass im SGB III rund ein Drittel der arbeitslos gemeldeten Menschen keine vermittlungshemmenden Merkmale aufweist. Im Bereich der Grundsicherung hingegen haben nahezu 90 Prozent mindestens ein sogenanntes Vermittlungshemmnis, fast die Hälfte sogar mehrere gleichzeitig. Zu diesen Merkmalen zählen unter anderem fehlende oder nicht verwertbare Qualifikationen, lange Arbeitslosigkeitsdauern, gesundheitliche Einschränkungen, Betreuungsverpflichtungen oder ein höheres Lebensalter.

 

Diese Befunde spiegeln sich auch im Agenturbezirk Aachen-Düren wider. 66 Prozent der arbeitslos gemeldeten Menschen gehören hier dem Rechtskreis der Grundsicherung (SGB II) an, 34 Prozent der Arbeitslosen werden im Rechtskreis SGB III betreut. Damit wird deutlich, dass die Gesamtarbeitslosigkeit in der Region maßgeblich durch Personengruppen geprägt ist, deren Integration in Beschäftigung häufig mehr Zeit und Unterstützung erfordert.

 

„Im SGB-II-Bezug treffen häufig mehrere Vermittlungshemmnisse zusammen. Eine schnelle Integration ist daher selten realistisch – gefragt sind maßgeschneiderte Förderwege und Geduld“, erklärt Stefan Graaf, Geschäftsführer des Jobcenters Städteregion Aachen. Erfreulich sei, dass insbesondere bei Menschen aus den herkunftsstärksten Asylländern sowie bei Ukrainerinnen und Ukrainern die Arbeitsaufnahmen zuletzt überdurchschnittlich zugenommen haben.

 

Auch Harald Heffels, Geschäftsführer des Jobcenters Kreis Heinsberg, betont: „Gerade bei komplexen Vermittlungslagen ist eine nachhaltige möglichst bedarfsdeckende Integration entscheidend. Qualifizierung, Stabilisierung und enge Begleitung spielen dabei eine zentrale Rolle.“

 

Beschäftigung wächst – Arbeitsvolumen legt kaum zu 

 

Zum Stichtag März 2025 waren im Agenturbezirk Aachen-Düren rund 397.000 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Damit ist die Beschäftigung weiter gestiegen, allerdings mit deutlich geringerer Dynamik als in den Jahren zuvor. Seit 2020 hat sich die Zahl der Beschäftigten kontinuierlich erhöht – von rund 381.500 im März 2020 auf zuletzt 397.050 im März 2025. Während die Zuwächse in den Jahren nach der Pandemie noch spürbar ausfielen, hat sich das Wachstum zuletzt merklich abgeschwächt. Der Beschäftigungszuwachs erfolgt über Teilzeitbeschäftigungen (+2,5% zum Vorjahr), während die Zahl der Vollzeitbeschäftigten rückläufig ist (-0,7% zum Vorjahr). Das Arbeitsvolumen wächst damit deutlich langsamer als die Zahl der Beschäftigten.

 

„Wir haben mehr sozialversicherungspflichtig Beschäftigte als im Vorjahr. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass insgesamt auch mehr gearbeitet wird. Vollzeitstellen gehen zurück, Teilzeit nimmt zu – das verändert das Arbeitsvolumen und stellt Betriebe vor neue Herausforderungen“, sagt Günter Sevenich, Geschäftsführer Operativ der Agentur für Arbeit Aachen-Düren.

 

Stellenmarkt bleibt angespannt

 

Der Stellenmarkt im Agenturbezirk Aachen-Düren zeigt sich 2025 auf einem niedrigen Niveau insgesamt stabil, bleibt aber strukturell angespannt. Im Jahresverlauf wurden 16.553 neue Arbeitsstellen gemeldet. Damit liegt die Zahl der neu gemeldeten Stellen über dem Vorjahresniveau (+648 /+4,1%), bleibt jedoch deutlich unter den Werten früherer Jahre. Zum Vergleich: Im Jahr 2022 wurden noch mehr als 24.000 neue Stellen gemeldet. 

 

„Wir sehen wieder mehr Bewegung am Stellenmarkt als im Vorjahr, aber das Niveau früherer Jahre wird bei weitem nicht erreicht“, sagt Günter Sevenich, Geschäftsführer Operativ der Agentur für Arbeit Aachen-Düren. 

 

Auffällig ist weiterhin die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage nach Qualifikationen. Während ein großer Teil der arbeitslos gemeldeten Menschen Tätigkeiten auf Helferniveau sucht, richtet sich der überwiegende Teil der gemeldeten Stellen an Fachkräfte. Mehr als die Hälfte der offenen Stellen entfällt auf Berufe mit Fachkraftniveau, während einfache Tätigkeiten vergleichsweise seltener nachgefragt werden. Diese strukturelle Schieflage trägt wesentlich dazu bei, dass offene Stellen länger unbesetzt bleiben. Selbst dort, wo grundsätzlich Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, passen Qualifikationen, berufliche Anforderungen oder Arbeitsbedingungen nicht immer zusammen. 

 

„Der Stellenmarkt ist weniger durch einen Mangel an Arbeitskräften insgesamt geprägt als durch ein Mismatch zwischen Qualifikationen und betrieblichen Anforderungen“, so Sevenich.

 

Arbeitskräftenachfrage sinkt vor allem bei kleinen Betrieben

 

Studien zeigen, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften zuletzt insgesamt zurückgegangen ist – besonders deutlich bei kleinen und sehr kleinen Betrieben. Während größere Unternehmen Neueinstellungen häufiger aufrechterhalten können, reagieren kleinere Betriebe sensibler auf wirtschaftliche Unsicherheiten, steigende Kosten und eine verhaltene Konjunktur. Neueinstellungen werden dort häufiger verschoben oder ganz zurückgestellt.

 

Für den Agenturbezirk Aachen-Düren ist dieser Befund von besonderer Bedeutung. Die regionale Wirtschaftsstruktur ist stark von Kleinbetrieben geprägt: Rund 95 Prozent aller Betriebe beschäftigen weniger als 50 Mitarbeitende, etwa 77 Prozent sogar weniger als zehn. Damit wird ein Großteil der Beschäftigung von Betrieben getragen, die von wirtschaftlichen Schwankungen besonders betroffen sind. 

 

„Wenn kleine Betriebe bei Neueinstellungen zurückhaltender werden, wirkt sich das unmittelbar auf den regionalen Arbeitsmarkt aus. Gerade in einer Region mit vielen Kleinst- und Kleinbetrieben bremst das die Entstehung neuer Beschäftigung spürbar“, erklärt Günter Sevenich. 

 

Beschäftigungsentwicklung: Zuwachs getragen durch ausländische Arbeitskräfte

 

Der Beschäftigungszuwachs im Jahr 2025 wurde ausschließlich durch ausländische Arbeitskräfte getragen: Während die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit deutscher Staatsangehörigkeit um 2.214 Personen zurückging, nahm die Beschäftigung von Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit um 3.557 Personen zu. Diese Entwicklung deckt sich mit langfristigen arbeitsmarktökonomischen Analysen. Demnach wird der Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren zunehmend durch den demografischen Wandel geprägt: Viele Erwerbstätige scheiden altersbedingt aus dem Arbeitsmarkt aus, während weniger junge Arbeitskräfte nachrücken. Ohne Zuwanderung würde das Arbeitskräftepotenzial deutlich schrumpfen. Zuwanderung trägt damit wesentlich dazu bei, Beschäftigung zu stabilisieren und Engpässe abzufedern. 

 

Strukturwandel prägt die Beschäftigungsentwicklung

 

Die Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zeigt im Agenturbezirk Aachen-Düren deutliche Verschiebungen zwischen den Branchen. Das verarbeitende Gewerbe verzeichnet weiterhin Beschäftigungsverluste. Ebenso sind auch die Beschäftigten in der Arbeitnehmerüberlassung sowie in den freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen rückläufig. Demgegenüber wächst die Beschäftigung vor allem in personenbezogenen Dienstleistungsbereichen. Besonders stark zugenommen hat die Beschäftigung im Sozialwesen, gefolgt vom Gesundheitswesen sowie dem Bereich Erziehung und Unterricht. Diese Verschiebung spiegelt den anhaltenden Strukturwandel wider: Produktions- und industrienahe Tätigkeiten verlieren an Bedeutung, während soziale, pflegerische und bildungsnahe Berufe weiter an Gewicht gewinnen. Gleichzeitig sind gerade diese wachsenden Bereiche besonders von Fachkräfteengpässen betroffen.

 

Fazit und Ausblick

 

Die Jahresbilanz 2025 zeigt einen Arbeitsmarkt ohne starke Ausschläge, aber mit deutlichen strukturellen Verschiebungen. Während Beschäftigung insgesamt wächst, verändern sich Arbeitszeiten und Anforderungen. Gleichzeitig bleibt die Integration arbeitsloser Menschen – insbesondere im Bereich der Grundsicherung – anspruchsvoll. Für 2026 kommt es darauf an, Qualifizierung, Vermittlung und betriebliche Bedarfe noch stärker zusammenzuführen und regionale Besonderheiten gezielt zu berücksichtigen.